| Hersteller:
| Future Games
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| Vertrieb:
| Anaconda
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| Steuerung:
| Maus
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| Systemanforderungen:
| Win 2000/XP/Vista / Prozessor 1,5 GHz / 512 MB RAM / 256 MB 3D-Grafikkarte / ca. 4 GB Festplatte
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| USK:
| Freigegeben ab 12 Jahren
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| Offizielle Webseite:
| www.reprobates-game.de
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Erst 'Black Mirror', dann 'Nibiru' und nun 'Reprobates': 'Future Games' ist zurück und schickt den Spieler dieses Mal nicht in ein Schloss oder in einen verstaubten Nazi-Tunnel, sondern auf eine mysteriöse Insel im Stil der Fernsehserie 'Lost'. Das Vorprodukt 'Nibiru' spaltete die Gemeinde in zwei Lager: Die Einen verfluchten das Adventure, die Anderen fanden es zwar nicht so gut wie 'Black Mirror', nahmen die Herausforderung aber dennoch an. Wie sieht’s nun mit dem neusten Werk der Schmiede aus?
Autofahren kann gefährlich sein: Da hat man einmal nicht aufgepasst und schon hat man eine Schramme an der Tür. Was bei geringen Geschwindigkeiten nur Lackkratzer verursacht, kann bei richtig Zunder, wie jedermann weiß, sogar lebensgefährlich sein. So ergeht es auch Adam Raichl. Der ist gerade mit seinem Auto unterwegs, als er in einen heftigen Crash verwickelt wird, den er unmöglich überlebt haben kann. Dennoch wacht er unverletzt in einem Wohncontainer auf einer Insel, irgendwo im Nirgendwo, auf. Wie kann er das überlebt haben? Aber noch viel wichtiger erscheint die Frage: Wie kommt er auf diese Insel? Nach ersten Erkundungen stellt er fest, dass er nicht der einzige Mensch auf dem Fleckchen Erde ist. Ein knappes Dutzend weitere Wohncontainer stehen in unmittelbarer Nähe. Fast alle ebenfalls mit menschlichem Inhalt, der wie Adam keinerlei Ahnung hat, wie und warum er dort gelandet ist. Die Spitze des Eisberges ist allerdings die Tatsache, dass jeder kurz vor seinem Tode gestanden zu haben und zudem sogar unterschiedlichen Epochen anzugehören scheint. Ist die Insel der Zwischenstopp zum Himmel, zur Hölle oder steckt etwas anderes dahinter? Eben das obliegt nun dem interessierten Abenteurer in Euch herauszufinden.
Außen Top …
Bereits mit den beiden indirekten Prequels konnten die Grafiker der Schmiede zeigen, was in Ihnen steckt. Diese Leistung sieht man auch in 'Reprobates'. Optisches Highlight sind jedoch nicht die Idyllen der Insel, sondern die verschiedenen Traumsequenzen, die den Spieler an höchst mysteriöse Orte schicken, die einfach zum Erkunden einladen. Die Insel selbst ist abwechslungsreich, doch grafisch bietet sie weniger Höhepunkte. Damit die einzelnen Tage dort aber optisch nicht ganz so langweilig werden, ändern sich die Perspektiven der einzelnen Locations von Tag zu Tag. Das hat natürlich auch den Nachteil, dass man sich stets neu orientieren muss. Denn der ein oder andere Ort sieht aus einem anderen Blickwinkel völlig anders aus. Besonderer Augenschmaus sind die Wolkenanimationen in den vorgerenderten Screens und die Unterstützung sämtlicher Shader-Modelle bis 3.0. Vor allem mit letzterer Wahl sehen die Charaktere optisch äußerst ansprechend aus. Doch das verpufft zum Teil durch die etwas schwachen Animationen.
Die akustische Welt von 'Reprobates' ist fast so mysteriös wie die Insel selbst. Wäre nicht kurz dem Schreiben dieses Tests ein Patch erschienen, hätten wir zur Sprachausgabe keinerlei Kommentar abgeben können, da ein fieser Bug verhinderte, dass auch nur ein Satz vollständig ausgesprochen wurde. Da haben die Mannen bei weitem zu wenig getestet. Auch die schwankende Performance hätte beim Beta-Testen eigentlich auffallen müssen. Nach der Impfung war die Leistung der Sprecher dann aber wiederum ausgesprochen gut, doch das haben wir auch nicht anders von 'dtp/Anaconda' erwartet. Leider vernimmt man von der gelungenen Sprachausgabe viel zu wenig. Denn auch wenn die Insel viele Fragen aufwirft, sind die Gespräche mit den Mitleidenden äußerst oberflächlich und gehen oft nicht auf das Mysterium ein, das alle erdulden müssen. Vor allem wenn man die Zahl der Personen in Relation mit dem gesprochenen Wort sieht, sind das schlichtweg zu wenig Dialoge – und das kostet, gerade bei so einem Titel, wichtige Atmosphäre. Schlimm ist nur, dass der Protagonist gerade dann übermäßig labern muss, wenn im Hintergrund die Uhr tickt. Bei einigen zeitkritischen Rätseln werkelt die nämlich munter weiter, während Adam erst einmal seine Lebensgeschichte an den Mann bzw. die Frau bringen muss.
… innen etwas geflopt
Die ersten Spielstunden sind für diese tolle Story ungemein mager. Die Rätselkost erstreckt sich auf das Einsammeln von Stöcken, Steinen und trockenem Gras, das sich im Grunde jeden Tag aufs Neue wiederholt. Selten haben wir einen Titel gespielt, bei dem wir derart oft immer die gleichen drei Gegenstände benutzen mussten. Klar, dass auf so einer einsamen Insel nicht viel zu holen ist, doch hätte man hier Abhilfe schaffen können, wenn den Anfang gekürzt hätte. Zudem spielt sich das Adventure unwahrscheinlich träge. Mittels Doppelklick bekommt man Adam zwar zum Spurten, doch geht das auf eine neue, völlig unsinnige Energieleiste, die seine Erschöpfung symbolisiert. Ist die aufgebraucht, muss Adam essen und trinken, sonst kann er sich nur noch im Schritttempo bewegen und des Weiteren keinerlei sonstige anstrengende Tätigkeiten mehr ausüben. Doch, es gibt ja noch den Doppelklick auf den Ausgang. Leider haben den die Entwickler auch verpatzt: Denn beim zweifachen Klick zum schnellen Verlassen des Bildschirmes lässt es sich Adam nicht nehmen, noch drei, vier Schritte zu laufen, bevor der Screen wechselt – und ist der Wechsel dann erfolgt, muss man erneut drei, vier Schritte warten, bis man den Guten wieder mit der Maus kommandieren kann. Das klingt vielleicht bei wenigen Raumwechseln nicht weiter tragisch, aber aufgrund der Tatsache, dass man ständig hin- und hergescheucht wird, fällt das extrem ins Gewicht. Untermalt wird das dann auch noch von dieser enormen Linearität. Verlässt man deren Pfade kann es sogar passieren, dass man sich verdutzt am Kapitelbeginn wieder findet.
Leider sind wir mit dem Meckern noch nicht durch: Ein weiterer Gräuel sind nämlich die viel zu kleinen Hotspots. Das betrifft auch die Ausgänge. Denn der "Verlassen-Bereich" einer Location wird ebenso nur als anklickbarer Punkt hinterlegt und nicht etwa für den gesamten Bereich. Hier schafft zwar die Taste "E" Abhilfe, die alle Ausgänge anzeigt, was auch, aufgrund der täglichen Perspektivwechsel, dringend benötigt wird, doch wurde diese Funktion für die Gegenstände leider vergessen. So kommt es auch vor, dass man im Wald ein Objekt aufhebt, das grafisch noch nicht einmal ersichtlich ist und nur für drei Pixel der Location angezeigt wird. Aber die Trips auf der Insel selbst sind ohnehin die größte Schwäche des Adventures. Die Traumsequenzen hingegen schaffen Atmosphäre, wenn auch dort kleine Mini-Geschicklichkeitsspielchen das Bild leicht trüben. Positiv sei denen aber angelastet, dass sie nicht schwer sind und im schlimmsten Fall nach drei Versuchen erledigt sein sollten.
Schade, schade, schade: Als Fans der ersten beiden Spiele haben wir uns richtig auf den neuesten Titel von 'Future Games' gefreut und man hat uns beinahe völlig enttäuscht. Die schwachen Rätsel, das Pixel-Hunting aufgrund der unmöglich kleinen Hotspots, die zusätzlich noch nicht einmal mit einer Taste angezeigt werden können und die extrem lineare, langatmige Spielweise. 'Reprobates' hat leider nur wenige Punkte, die uns ermutigt haben, bis zum Ende durchzuhalten: Da wäre zum Einen die äußerst interessante Story, bei man wissen möchte, was hinter all dem steckt. Zum Zweiten waren die Traumsequenzen sehr spannend inszeniert und zu guter letzt ist auch das sehr ansehnliche Drumherum wie auch die Leistung der Sprecher keinesfalls einer schlechten Kritik würdig. Leider kann unser Fazit zusammenfassend nur lauten: 'Black Mirror' war spitze, 'Nibiru' war gut, doch 'Reprobates' ist gerade noch ein befriedigendes Erlebnis geworden. Schade!!!
[ 13.10.2007 ]