
| Hersteller: | LucasArts / Double Fine Productions |
| Vertrieb: | Double Fine Productions |
| Steuerung: | Maus / Tastatur / Gamepad |
| Systemanforderungen: | Win Vista/Seven/8/8.1/10 / IntelCore 2 Duo 2,4 GHz oder AMD Athlon X2 2,8 GHz / 4 GB RAM / NVIDIA GeForce GT 220 oder ATI Radeon HD 4650 oder Intel HD 4000 Graphics / ca. 6 GB Festplatte |
| USK: | Freigegeben ab 12 Jahren (Original) |
| Offizielle Webseite: | grimremastered.com |
| Deutsch: | Komplett |
Gestatten: Manny Calavera
Die guten Zeiten des Hauptprotagonisten Manny sind längst vergangen. Denn der ist zu Lebzeiten in Ungnade gefallen und nun dazu verdammt als Angestellter im Land der Toten schlechte Reisen in die Neunte Unterwelt an noch viel schlechtere Kunden zu verhökern, die ihr Leben alles andere als tugendhaft verbrachten. Lediglich bei seinem Kollegen und größtem Erzfeind - Domino Hurley - scheinen die lukrativen Kunden wie die Motten vom Licht angezogen zu werden, was mehr und mehr äußerst merkwürdig erscheint. Diese Befürchtung bestätigt sich recht deutlich als Manny durch einen Trick an Mercedes 'Meche' Colomar gelangt, die sich zu ihren Lebzeiten für andere aufopferte. Dennoch will der Computer für sie einfach kein gutes Angebot ausspucken. Den Umstand nicht verstehend macht sich daher die junge Frau alleine auf die vier Jahresreise der Seelen, noch bevor die Hintergründe überhaupt erörtert werden können. Von Schuldgefühlen geplagt reist ihr Manny hinterher und trifft auf die Revolutzertruppe der ZVS (Zentralkommitee verlorener Seelen). Die haben schon längst die Korruption in den Büros der Reiseagentur entarnt und sammeln wie wild Beweise. Von nun an beginnt Manny ein Leben als Freiheitskämpfer, ständig Mercedes 'Meche' Colomar vor Augen, für dessen prekäre Situation er sich verantwortlich fühlt. Als einst lebende Heilige hätte sie nämlich Anrecht auf ein begehrtes Ticket der Nummer Neun, mit welchem die Vierjahresreise der Seelen bequem in nur vier Minuten zu absolvieren wäre. Außerdem hofft Manny durch die Wiedergutmachung auch seine eigene restliche Schuld begleichen zu können, um endlich ebenfalls in das Paradies eintreten zu dürfen. Auf seinem Trip unterstützt ihn dabei sein Ex-Chauffeur Glottis, ein vollschlanker und liebenswürdiger Dämon, den er schon bald im Laufe des Abenteuers als seinen treusten und besten Freund ansehen wird.
Steuerung mit Tastatur, Gamepad oder !! Maus !!
'Grim Fandango' fiel anno 1998 so ziemlich aus der Reihe. Selbst hartgesottenste Fans der kalifornischen Schmiede kamen bei den ersten gezeigten Screenshots kurz in Stocken. Nicht etwa, weil die Grafik nicht ansehnlich wäre, sondern weil die 3D-Figuren darin Böses erahnen ließen: Tastatursteuerung nämlich. Viele Mitbewerber hatten es dieser damaligen Tage leider mehr schlecht als recht vorgemacht und überzeugten nicht gerade mit einer flüssigen Bewegungsführung des Hauptcharakters. Schnell wurde der Begriff "Panzersteuerung" ein beliebtes Wort in der Presse und er traf den Nagel so ziemlich genau auf den Kopf. Manny ließ sich nämlich ganz genau wie ein Kettenfahrzeug bewegen: Erst auf der Stelle in die richtige Richtung drehen und dann nach vorne laufen. Wenn man diesem Adventure daher eines vorwerfen konnte, dann die wirklich missglückte Wahl zu eben jener Steuerung, die alleine so manchen Käufer vergraulte. Ohne Maussteuerung war 'Grim Fandango' für viele einfach kein echtes Adventure mehr und stand im vollen Gegensatz zum "Entspannten-vor-dem-PC-Rätseln". Denn wer vor seine Tastatur gekauert sitzen muss, entspannt sich nicht unbedingt. Die überarbeitete Remastered-Version glättet nun nicht bloß die Wogen, sondern schickt den einstigen Haupt-Kritikpunkt direkt mit einem Nummer-Neun-Ticket in die Dritte Unterwelt. Die Steuerung mit der Tastatur kann nun auch kamerabezogen eingestellt werden, womit man in die entsprechende Richtung aus dem momentanen Blickwinkel drückt und Manny bewegt sich direkt dorthin. Besonders gut spielt sich das vor allem mit dem Gamepad, dass jetzt ebenfalls voll unterstützt wird und uns sogar am Besten gefiel. ABER für alle Nörgler, denen das immer noch nicht reicht, hat sich 'Double Fine' mit einigen Fan-Entwicklern zusammengetan und aus einer hobbybasierten Maussteuerung eine offizielle gemacht, die so gut funktioniert, als wäre sie schon immer da gewesen. Wir sind uns sicher: Hätte 'LucasArts' die damals zumindest optional eingebaut, hätte sich niemand beschwert.
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Grafische Vielfalt
Mannys Suche nach Meche umfasst die gesamte Vier-Jahresreise der Seele, in welchem das wandelnde Skelett ganz schön in der Totenwelt herumkommt. Von der anfangs an eine mexikanische Großstadt erinnernde El Marrow, wechselt später mehrmals die gesamte Atmosphäre und Tonlage des Adventures mit jedem Spieljahr. Diese Vielfalt macht den Augen wirklich Spaß und bereits in der originalen Fassung einiges her. Vor allem vom zweiten Jahr, das charmant an alte Dick-Tracy-Tage erinnert, konnten wir uns an dem edlen Noire-Look einfach nicht sattsehen. In der Remastered Fassung erwarten uns durch die Bank nicht nur höher aufgelöste Locations, die Überarbeitung ist für die 3D-Modelle der Charaktere obendrein eine wahre Frischzellenkultur. Manny und Konsorten wirken viel platzierter in den Locations, werden sie doch nun von den Lichtquellen der einzelnen Räumlichkeiten berücksichtigt und entsprechend farblich korrekt angestrahlt. Per Knopfdruck kann natürlich einmal mehr zum alten Gewand umgeschaltet werden, bei dem sich die Sinnhaftigkeit der einzelnen Überarbeitungen unverkennbar zeigt. Denn selbst mit dem besten 3D-Beschleuniger vergangener Tage kam man nicht an die jetzige Qualität heran, obwohl die das wohl auch schon hätten stemmen können. Denn machen wir uns nichts vor: Selbst die neue 3D-Optik ist natürlich nicht unbedingt zeitgemäß, hat aber zweifelsohne noch genügend Charme in petto, um zu gefallen. Die Zwischensequenzen wurden ebenfalls allesamt ersetzt - allerdings nicht einfach durch bessere Versionen ihrer selbst, sondern den originalen Quell-Renderfilmen direkt aus den Archiven. Endlich Schluss mit den krisselligen Matsch-Animationen bei Bewegungen des Originals. Unserer Meinung nach hat sich die gesamte grafische Überarbeitung jedenfalls absolut gelohnt und ist im Double-Fine-Remastered-Marathon - neben 'Day of the Tentacle' und 'Vollgas' - die wichtigste überhaupt. Allein schon deswegen, weil das (deutsche) Original auf heutigen PCs ohnehin nicht mehr spielbar ist, während englisch sprechende Gemüter zumindest noch auf 'ResidualVM' ausweichen können.
Rätsel mit Eingewöhnungsphase
Zu Beginn muss man sich als Spieler reiner 2D-Adventures ein wenig umgewöhnen. Wer zur nagelneuen Maussteuerung greift, den wird das nicht unbedingt betreffen, aber Denker mit Tastatur oder Gamepad müssen sich durch die neue Perspektive des 2,5D-Adventures ein wenig anpassen, relevante Hotspots in den Locations zu entdecken und damit die Rätsel überhaupt lösen zu können. Wie im Original hilft hier jedoch Manny ein klein wenig, in dem er automatisch beim Vorbeilaufen in die Richtungen schaut, in denen sich aufnehm- oder benutzbare Gegenstände befinden. Grundsätzlich funktioniert das recht gut, stößt allerdings immer dann an seine Grenzen, wenn gleich mehrere Hotspots nebeneinander geparkt sind. Im unteren Teil des Bildschirms werden die dann entsprechend als Texteinblendung angezeigt und man muss etwas umständlich zum korrekten Utensil per Knopfdruck bzw. Bewegungen mit dem rechten Gamepad-Stick durchschalten. Leider hat man bei der Überarbeitung diesen Punkt nicht noch einmal näher begutachtet und selbst das recht umständliche Inventar im Original-Zustand belassen. Die Gegenstände jedes Mal einzeln nacheinander durchzuschauen ist schon wenig fummelig und macht beim Spielen mit der Maus kaum noch Sinn. Einige wenige Rätsel sind zudem kleine Kopfnüsse und lediglich durch Zufall oder Herumprobieren zu lösen - Veteranen kennen das Adventure jedoch ohnehin in- und auswendig. Damit die aber auch zumindest etwas Neues für ihr Geld bekommen, können sie den zahllosen Entwickler-Kommentaren lauschen. Deren Qualität und Interessenswert schwankt hingegen recht stark und ist unter'm Strich definitiv Geschmackssache. Ein paar gute Anekdoten sind definitiv dabei. Ungünstigerweise unterbrechen die kurzen Dialoge der einstigen Macher das Spielgeschehen nicht und lässt sie ungehemmt über den normalen Ton plappern.
Das erste 3D-LucasArts-Adventure endlich überarbeitet
'Grim Fandango' fällt völlig aus der Reihe der bisherigen LucasArts-Abenteuer. Zum ersten Mal setzte das kalifornische Studio auf die 3D-Technologie, was gehörig in die Hose hätte gehen können. Die Zeit zeigte jedoch, dass das Adventure heute gern zu den besten überhaupt gezählt wird. Und das kommt nicht von Ungefähr: Die Geschichte rund um die Freundschaft zwischen Manny und Glottis sowie natürlich der Suche nach Meche quer durch die Welt der Toten ist grandios geschrieben, hat Witz und einfach Herz. Obendrein finden sich keine Längen, womit das Adventure selbst nach dem zigsten Male noch immer genau die gleichen Reize bietet. Allein die Vielfalt, Manny durch vier verschiedenene Jahre - welche im Großen und Ganzen eigene Spielabschnitte sind - zu schicken, bietet eine Menge Abwechslung. Und dies nicht nur grafisch, sondern ebenfalls akustisch. Der Soundtrack von Michael Land fängt absolut grandios die Atmosphäre der einzelnen Etappen ein und die deutsche Sprachausgabe sucht Ihresgleichen - gefällt uns letztlich sogar besser als das englische Original, welches beim Remaster übrigens ebenso auf Knopfdruck umgeschaltet werden kann. Es ist jedenfalls schade, dass die Geschichte von 'Grim Fandango' bereits mit diesem einen Spiel ein Ende fand und in sich abschließt. Hier wartet nämlich noch derart viel Potenzial, dass wir uns sonst schon längst eine Fortsetzung gewünscht hätten. Aber manchmal braucht es so etwas vielleicht einfach nicht. Vielleicht sollte man 'Grim Fandango' genau so stehen lassen, wie es ist: Ein großartiges Adventure, welches spätestens jetzt mit dieser Remastered-Fassung den Weg in die wohl behütete Sammlung finden sollte! Was uns angeht: Wir lieben dieses Adventure einfach von Anfang bis Ende und könnten noch lange darüber philosophieren, warum man hier mit nichts Geringerem konfrontiert wird, als einem echten Meisterwerk! Das Mastermind Tim Schafer hat sich sogar noch selbst übertroffen!
[ ( dieses Review ersetzt den Klassiker-Test des Originals ) _ 07.12.2016 ]










































