
| Hersteller: | Quantic Dreams |
| Vertrieb: | Atari |
| Steuerung: | Maus |
| Systemanforderungen: | Win 98/ME/2000/XP / Pentium III 800 MHz / 256 MB RAM / 32 MB 3D-Grafikkarte / ca. 4 GB Festplatte |
| USK: | Freigegeben ab 16 Jahren |
| Offizielle Webseite: | www.fahrenheitgame.com |
Mehrere Möglichkeiten
Kaum ist die blutige Introsequenz abgelaufen, steigt man auch direkt ins das Adventure ein. Von einem seichten Beginn kann hier nämlich keine Rede sein, denn wie es der Zufall so will, sitzt im Lokal an der Theke ein Polizeibeamter, der früher oder später ebenfalls die Toilette aufsuchen wird. Nun muss der Spieler schnell handeln und hat dabei alle Möglichkeiten, die man sich vorstellen kann. Einfach auf und davon, durch die Hintertür fliehen oder doch lieber den Tatort reinigen und alle Spuren beseitigen? Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, aber wie immer man sich auch entscheidet: Es muss schnell gehen. Denn wenn der Cop im Lokal sich in Richtung Klo bewegt, sollte Lucas überall sein, nur nicht mehr am Tatort.
Spannende und filmreife Inszenierung
'Fahrenheit' weiß sehr gekonnt, Spannung aufzubauen. Dass man sich hier am Vorbild eines spannenden Blockbusters orientiert, ist schwer von der Hand zu weisen, gibt dem Spiel aber eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Denn wenn eben beschriebener Cop von der Theke zum Tatort läuft, schaltet das Spiel automatisch in einen Split-Screen-Modus. Man kann Lucas zwar weiter steuern, sieht aber auf dem zweiten Bildschirm, wie der Polizeibeamte sich Schritt für Schritt nähert. Derlei Multi-Screen-Sequenzen, die sich in aktuellen, amerikanischen Serien großer Beliebtheit erfreuen, sind sehr häufig anzutreffen und treiben den Puls deutlich nach oben - zumal man hier oft unter Zeitdruck steht. Ebenso gehören geschickte Kamerafahrten mit ins Repertoire des Adventures - überdies noch Zeitlupeneffekte (a la 'Matrix'), Bewegungsunschärfe, Filmfilter, und, und, und. Also in diesem Bereich kann man dem Spiel wirklich nur ein größtmögliches Lob aussprechen. So vor den Monitor hat uns schon lange nichts mehr gefesselt.
Verbrechen aus zwei gegensätzlichen Perspektiven
Doch nicht nur mit Lucas Kane ist man auf der Flucht vor der Polizei, nein, man jagt sich buchstäblich auch selbst. Denn der Spieler schlüpft abwechselnd in die Rolle von Lucas und dann wieder in die der beiden Polizeibeamten Carla Valenti und Tyler Miles. Sämtliche Hinweise und Spuren, die Lucas hinterlässt, werden von den beiden akribisch untersucht. Damit allerdings nicht einer die ganze Arbeit am Tatort gleich alleine macht, muss man zwischen den beiden Beamten hin- und herschalten, denn jeder erkennt oft Indizien, die der andere übersieht. Kurzzeitig schlüpft man außerdem noch in die Rolle von Lucas' Bruder Markus - aber wir wollen nicht zu viel verraten.
Drei Dimensionen
Die grafische Realisierung findet in einer angemessenen 3D-Engine statt, anders wäre 'Fahrenheit' auch so nicht möglich gewesen, denn Kameraschwenks in diesen Ausmaßen sind nun einmal in 2D nicht umzusetzen. Sämtliche Sequenzen des Spieles werden direkt in Ingame-Grafik wiedergegeben. Leider bietet die Engine lediglich Konselenqualität und ist somit kaum Konkurrenz für aktuelle PC-Titel. Trotzdem hat man versucht, mit schicken Features das Gesehene doch etwas aufzubohren. So wurden alle Charaktere mittels aufwendigem Motion-Capturing-Verfahren animiert, womit die Bewegungen sehr flüssig und lebensecht wirken. Des Weiteren wurde versucht, eine gewisse Lippensynchronität zu gewährleisten, was zwar nicht immer ganz gelungen ist, dennoch gut rüberkommt.
Adventure VS. Reaktionstest
Die Steuerung ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber schnell erlernt. Alle Kommandos werden über die Maus und so genannte "Mausgesten" eingegeben. Man klickt also nicht mehr auf Verben, sondern stellt sich vor einen Gegenstand und bekommt im oberen Teil des Bildschirms Mausbewegungen vorgeführt, die Aktionen auslösen. Man macht besagte Geste einfach nach und schon wird die gewünschte Tätigkeit ausgeführt. Den zweiten Teil der Steuerung übernimmt die Tastatur. Die Tasten können in den Optionen völlig frei belegt werden, doch grundlegend kann mittels der Richtungstasten der Protagonist von A nach B dirigiert werden. In Aktionsequenzen kommt dann zusätzlich noch das Nummernfeld zum Einsatz: Auf dem Bildschirm werden Kombinationen vorgegeben, die man schnellstmöglich nachdrücken sollte. Bei Fehlern geht's zwar nicht gleich in die ewigen Jagdgründe, doch sollte man möglichst fehlerfrei die Sache hinbekommen. Denn nur so kann Lucas bei Kämpfen richtig zuschlagen oder Hindernissen korrekt ausweichen. Schade: Die hervorragend choreografieren Sequenzen zu bestaunen ist allerdings nur etwas für die Leute, die sich das Spiel im Hintergrund mit ansehen, denn der Spieler selbst muss sich auf die Kombinationen konzentrieren und bekommt daher nicht wirklich viel davon mit. Erst im Menü kann man unter 'Extras' auf die meisten der besagten Filmchen zurückgreifen und dies ohne lästiges Tastendrücken.
Fazit weit weg vom Nullpunkt
'Fahrenheit' ist ein Adventure der ganz besonderen Art, auch wenn es die Grenzen "unseres" Genres teils deutlich überschreitet. Doch die packende Story und die fulminante Umsetzung machen es zu einer Perle auf dem Spielemarkt. So ergriffen von der Handlung waren wir seit LucasArts' 'The Dig' nicht mehr. Man kann kaum aufhören, wenn man einmal begonnen hat. Stets pumpt das Herz Adrenalin durch unsere Venen und durch die Aktioneinlagen und die damit verbundenen, schnellen Tastenkombinationen ist man wahrlich mittendrin, statt nur dabei. Kurz und bündig: 'Fahrenheit' ist eine uneingeschränkte Kaufempfehlung!!




































