| Hersteller:
| Revolution Software
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| Vertrieb:
| THQ
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| Steuerung:
| Tastatur
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| Systemanforderungen:
| Win 98/2000/ME/XP / Pentium III 800 MHz / 128 MB RAM / ca. 1,2 GB Festplatte
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| USK:
| Freigegeben ab 6 Jahren
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| Offizielle Webseite:
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Nach langen sechs Jahren ist das Warten endlich vorbei und eine der beliebtesten Adventure-Serien überhaupt geht in die dritte Runde. Seither hat sich viel getan, rund um George und Nico, aus gezeichneten Locations wurden 3D-Welten. Die größte Angst der Adventurier war ohnehin ein weiterer 3D-Abklatsch wie wir Ihn leider mehr und mehr in anderen Serien mit ansehen mussten. Doch schon lange vor dem Release gab Charles Cecil wieder und wieder Entwarnung, kein Tomb-Raider-Clone zu entwerfen, sondern ein Spiel, dass die Zukunft der Adventures sein wird. 'Baphomets Fluch III' würde neue Wege gehen. Wurde der Mund zu voll genommen? Hält das Game, was es verspricht? In unserem ausführlichen Test gehen wir der Sache auf den Grund und sagen Euch, ob sich das jahrelange Warten gelohnt hat.
Nicht nur an uns ist die Zeit vorüber gegangen, die hat auch für George und Nico weiter getickt. Im Nachfolger von 'Die rauchenden Spiegel' kennen sich die beiden kaum mehr. Sie haben sich schon vor einiger Zeit getrennt und nur noch wenige Details lassen die beiden an eine gemeinsame Vergangenheit erinnern. George geht munter seiner Tätigkeit als Patent-Anwalt nach und Nico arbeitet noch immer für das fragwürdige Heftchen 'La Liberté'. Doch so gewöhnlich das Leben der beiden auch ist ... auf der Welt passieren viele ungewöhnliche Dinge. Aus irgendeinem Grund wächst die Zahl der Naturgewalten rapide an: Erdbeben sind keine Seltenheit mehr. Das alles scheint aber George nicht viel zu interessieren, als er in den Congo fliegt, um dort ein Patent eines Wissenschaftlers abzunehmen, der angeblich eine Maschine entwickelt hat, die unbegrenzte Energie erzeugen soll. Doch leider macht das Flugzeug in einem Sturm, kurz vor dem Ziel, schlapp und muss nach einem Blitzeinschlag im Dschungel notgelandet werden. Nach einigen Strapazen gelingt es George aber den Wissenschaftler dennoch aufzuspüren, der vor seinen Augen einfach hingerichtet wird. Einmal mehr macht es sich George zur Aufgabe herauszufinden, warum der Mann sein Leben lassen musste.
Zeitgleich in Paris klopft eine Frau, verkleidet als Nicole Collard, an die Tür eines begabten Hackers mit Weltuntergangsphantasien, der einen unlösbaren Code entschlüsselt haben will. Kaum will er der falschen Reporterin seine Arbeit zeigen, bohrt sich auch schon eine Kugel durch seinen Körper. Als die echte Nico dann am Tatort eintrifft und des Mordes verdächtigt wird, nimmt sie plötzlich die Arbeit und die angeblich so verrückte Phantasien des Hackers ernster denn je, denn warum musste er sonst sterben, wenn seine Geschichte nicht wahr wäre?
Zwei völlig unterschiedliche Geschichtsansätze, doch schnell stellt sich heraus, dass George und Nico - anfangs vollkommen unabhängig voneinander - an ein und demselben Fall arbeiten, der einen Plan in sich birgt, der den Weltuntergang zur Folge haben könnte. Was nun genau dahinter steckt und in welchen Zusammenhang dies mit dem Untertitel "Der Schlafende Drache" steht, ist nun die Aufgabe des Spielers, herauszufinden. Revolution-typisch wird dem Spieler hier also erneut eine Story geboten, die einfach nur fesselt. Denn auf Georges und Nicos spannenden Reisen warten viel Gefahr und Abenteuer. Aufgrund dessen das Spiel auch oft im Wechsel zwischen den beiden Protagonisten steht und man sowohl mit George als auch mit Nico parallel an der Lösung des Falles arbeitet.
George und Nico nun in 3D zu erleben war sicherlich für jeden gestandenen Adventure-Spieler eine merkwürdige Vorstellung. Immerhin sahen die beiden Vorgänger mit ihren handgezeichneten 2D-Hintergründen und -figuren schlichtweg perfekt aus. Doch, was macht man nicht alles, nur wieder an der Seite der beiden unfreiwilligen Helden zu sein. Doch, zur absoluten Verwunderung ist die 3D-Welt durch und durch gelungen. Kein Gedanke an irgendwelche 3D-Action wie man sie in 'Tomb Raider' finden würde. Das Spiel spielt sich vollständig wie ein reinrassiges Adventure und mittels der dritten Dimension konnten nun auch neue Terrains beschritten werden. So sind nun unheimlich gelungene Kamerafahrten möglich, für welche sich eigens Hilfe aus dem TV-Geschäft geholt wurde. Durch diese interessanten, wechselnden Einstellungen verschwimmt manchmal die Grenze zwischen Spiel und einem Kino-Film, da sie der Situation passend hektisch und dynamisch, aber auch ruhig und langsam sein können. Ein weiterer interessanter Aspekt der 3D-Engine ist die Möglichkeit, Locations mehr als nur einmal, zu einer anderen Tageszeit zu besuchen. Dies wird dann untermalt mit tollen Schatten- und Lichteffekten, die manchmal kaum realistischer sein können. Ebenso realistisch kommen auch die Figuren daher, die mit einer unglaublichen Liebe zum Detail animiert wurden und damit sehr lebensecht wirken. Die Figurenmodelle erinnern dabei wenig an bekannte "Lego-Figuren" aus Adventure-Konkurrenzprodukten, sondern sind sehr detailliert. Es dürfte kaum ein Adventure geben, dass mit dieser Detailfreude mithalten könnte, die vor allem bei den hervorragenden Gesichtsmimiken zur Geltung kommt. Angst, Freude oder ein fragender Blick steht den Figuren geradezu ins Gesicht geschrieben. Kein Vergleich mit den Figuren der beiden 2D-Vorgänger. Das Zusammenspiel von Kamerafahrten, Gesichtsmimiken und weichen Bewegungsabläufen erzeugt ein fast perfektes Kinoflair. Vor allem in den überaus gelungenen Ingame-Cutscenes kommen diese besonders gut zur Geltung. Leider aber lassen sich diese nicht abschalten und beim Ableben muss man sich die in voller Länge erneut ansehen, bis man die Hürde geschafft hat. So schön die Cutscenes auch sind, doch nach dem fünften Mal anschauen werden sie dann doch langweilig und man drückt wild auf der Tastatur herum und sucht eine Taste zum Abbruch.
Unterstützt wird dieses, durch das Spiel absichtlich erzeugte, Kinoflair vor allem auch durch den exzellenten Soundtrack, der immer vollkommen passend in die Handlung geworfen wird und so gelungen ist, dass er oft darüber entscheidet, ob der Spieler hektisch oder ruhig agiert. Für Liebhaber des Original-Scores der Titelmelodie, der die ersten beiden Teile durchzog, sei gesagt, dass dieser nicht mehr vorhanden ist. An dessen Stelle ist ein neues Thema gerückt, welches sogar noch besser passt und gerade im Intro für Gänsehaut sorgen kann. Grund für den neuen Soundtrack ist der Wechsel des Komponisten. War noch in den ersten beiden Teilen Barrington Pheloung verantwortlich, tritt jetzt Ben McCullough an dessen Stelle. Eine andere damit verbundene Neuerung ist auch der erstmalige - eigentlich untypische Einsatz - von harten Beats in gewissen Action-Sequenzen, welche aber sehr gut in das Spiel passt. Ärgerlich ist manchmal nur, dass doch viel zu wenig von den hervorragenden Musikstücken zu hören ist.
Doch so toll das Spiel auch ist, der Kritikpunkt Numero Eins ist wieder die Steuerung, die sehr gewöhnungsbedürftig ist und außer der Tastaturbelegungen lässt sich diese auch nicht ändern. Die kamerafixierende Steuerung ist eigentlich eine gute Wahl zur Steuerung des Spieles, da ein anderer Typus Steuerung bei den komplexen Kamerafahrten nicht funktionieren würde. Läuft George bzw. Nico in eine Richtung und die Bewegungstaste wird nicht losgelassen, so laufen die beiden weiter diese Richtung, auch wenn sie die Kameraperspektive verändert. Bis hierhin ist auch alles in Ordnung, doch lässt man während des Laufens die Taste los, dann wird die Steuerung an die momentan bestehende Perspektive angepasst, was dann zu Verwirrungen führen kann und nicht selten läuft man dann geradewegs vor eine Wand. Mit ein bisschen Übung kann man sich aber daran gewöhnen und gerade bei den erwähnten Kamerafahrten ist man froh, dass die Steuerung so gewählt wurde. Für alle Anderen wäre zumindest die Option zur figurfixierenden Steuerung eine Alternative gewesen, doch diese wurde nicht in das Spiel eingebaut.
Mag die Steuerung noch zu Beginn des Spieles eher eine nebensächliche Rolle spielen, merkt man recht schnell, dass man sie beherrschen sollte. Denn nicht selten kommt es vor, dass man sich im Stile des firmeneigenen Produkts 'Cold Blood' vorbeischleichen muss. Was aber doch recht häufig auffiel, ist das viel zu oft genutzte Rätsel des Kistenschiebens. Die ist zwar zuweilen nicht schwer, aber nervt es doch, wenn man immer wieder diversen Kisten hin- und herjonglieren muss, um beispielsweise eine Erhöhung erreichen zu können, womit mit wir auch bei den Rätseln angekommen wären: Diese sind ebenfalls im Stile von 'Cold Blood' und damit zwar vollkommen logisch, doch für Experten viel zu leicht. Es gibt kaum richtige Kopfnüsse - wenn überhaupt - was sich aber auch durch die doch recht wenigen Inventargegenstände unweigerlich kaum verhindern lassen konnte. Der Vorteil liegt hierbei eindeutig dabei, dass man dadurch doch einen recht konstanten und flüssigen Spielablauf hat und kaum Frustmomente aufkommen können.
Nach so vielen Jahren des Wartens nun das Abenteuer in 3D bestehen zu müssen ist sicher gewöhnungsbedürftig und an alle, die noch immer unsicher sind, ob sie das Spiel kaufen sollen oder nicht, sei eines gesagt: 'Baphomets Fluch III' ist ein Adventure durch und durch. Man spielt das Spiel zwar in 3D, doch merkt man schnell, dass die dritte Dimension vor allem für interessante Kamerafahrten genutzt wurde, welche die Grenzen zwischen Spiel und Film sehr, sehr dünn machen bzw. verschwinden lassen soll. Außerdem ist es unmöglich, beispielsweise eine Klippe hinab zu stürzen. Man geht mit seinem Protagonisten einfach an die Kante einer Erhöhung und mittels Symboliken bekannt aus dem zweiten Teil kann man dann entscheiden, ob George bzw. Nico springen oder hinabsteigen soll. Dies wurde so gewählt, dass die jeweiligen Funktionen auch nur dann freigeschaltet werden, wenn der Sprung auch sicher ist, damit unsere Helden nicht in's Leere springen können. Auch beim Hangeln an einem Fenstersims kann man George erst mittels Knopfdruck zum Loslassen auffordern, wenn er wieder festen Boden unter den Füßen hat.
'Der Schlafende Drache' ist ein genialer Abschluss(?) der Trilogie und man sollte ihn keinesfalls verpasst haben, denn wo findet man heute noch eine so tolle Story, verpackt mit viel Spannung und exzellenter Präsentation. Fans und Neulinge der Serie sollten bedenkenlos zugreifen. Geniales Game!