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Systemanforderungen: Win 7 / Core 2 Duo 2GHz / 3 GB RAM / Intel HD Graphics 4000 / ca. 5 GB Festplatte
USK: Freigegeben ab 12 Jahren
Offizielle Webseite: redthreadgames.com/games/chapters
Deutsch: Komplett
Buch I | Buch II | Buch III | Buch IV | Buch V

Man hat das Gefühl, es sei schon Jahrhunderte her, seit ‚FunCom‘ mit ‚The Longest Journey‘ und vor allem ‚Dreamfall‘ den Grundstein bzw. Fortsetzung zu einer der wohl interessantesten Adventure-Reihen ablieferte. Die Geschichte, die sich in den beiden parallelen Welten Stark und Arcadia abspielte, war nicht nur gekonnt erzählt, sondern schaffte auch unheimlich greifbare Charaktere. Erst April Ryan, später folgten dann Kian Alvane und Zoë Castillo. Vor allem mit ‚Dreamfall‘ wurde die Geschichte zu ungeahnten Höhen geführt, die allerdings erst mit einer Fortsetzung weitergesponnen werden sollte. Als dann aber ‚FunCom‘ bekannt gab, dass es so bald kein ‚Dreamfall II‘ geben würde, war der Schock der Fans natürlich groß – warteten sie doch von nun an wohl vergeblich, dass es endlich mit der Geschichte weitergehen würde. Jahre später kam dann ein ‚Dreamfall Chapters‘ ins Gespräch, was bewusst in Episoden veröffentlicht werden sollte, zu dem es allerdings niemals einen offiziellen Startschuss gab. 2013 dann endlich setzte sich Ragnar Tørnquist und sein Team, Schöpfer der Abenteuer, an die amerikanische Plattform ‚Kickstarter‘, um die neue Trendwelle zu nutzen, die das ominöse Crowd-Funding ins Leben rief, bei dem jeder einen finanziellen Beitrag zu einem Projekt leisten kann. Es schien, darauf hätten viele ‚The Longest Journey‘-Fans nur gewartet. Doch obgleich ein fertiges ‚Dreamfall II‘ versprochen wurde, ruderten die Macher im Laufe der Kampagne wieder zurück, um zum alten ‚Dreamfall Chapters‘-Ansatz zurückzukehren. Nun ist die erste Episode erschienen...
Buch I : Reborn
Bevor wir hier aber weiterschreiben, möchten wir jedem, der bislang noch nichts mit der Serie zu tun hatte, ans Herz legen, dies nachzuholen. Das Spiel nimmt keinerlei Rücksicht auf Spoiler, die die Vorgänger betreffen, und erzählt stringent seine Geschichte, ohne viele Hintergrundinformationen zu geben. Kurz gesagt: Wer keinen der Vorgänger kennt, wird wohl nicht nur einmal eine fragende Augenbraue nach oben ziehen. Daher: Nachholen und nun nicht weiterlesen!
Satte acht Jahre sind seit ‚Dreamfall‘ ins Land gestrichen und der Ein oder Andere mag die Hoffnung bereits aufgegeben haben, dass die Geschichte doch noch fortgeführt werden würde. Absolut davon unberührt beginnt das Abenteuer von ‚Dreamfall Chapters‘ praktisch nahtlos zum Vorgänger: Zoë liegt noch immer im Koma, ohne Hoffnung, jemals wieder zu erwachen. Das Leben um sie herum ist weitergangen. Doch Zoë ist nicht tot, sondern gefangen in der Welt zwischen Traum und Realität. Mittlerweile sind dort auch viele Opfer der so genannten „Dream-Machines“ gelandet, denen das hübsche Frauenzimmer nun zur Seite stehen muss, um zumindest diese erwachen zu lassen. Doch ohne, dass sie es merkt, fördert sie damit auch ihr eigenes Erwachen in der echten Welt. Sie trifft erneut den Vagabunden, der ihr mitteilt, dass ihre Aufgabe in der realen Welt noch nicht vollendet sei. Nach dem Erwachen scheint sie jedoch erst einmal keinen allzu großen Sinn in ihrem Leben zu sehen, besucht regelmäßig einen Psychologen, ist mit ihrem Freund Reza wieder zusammengekommen und hat alles aus der Traumwelt vergessen. Der Auftakt der ersten Episode ist daher hauptsächlich als eine Art Einleitung zu verstehen. Die Basis wird geschaffen und erste Eckpunkte werden gesetzt, mehr darf man jedoch erst einmal nicht erwarten.
Ursache und Wirkung
Ebenfalls in der ersten Episode wird das Konsequenzen-System eingeführt, dass deutlich an Telltale Games-Serie ‚The Walking Dead‘ angelehnt ist. Somit suggeriert das Spiel, dass viele der zu treffenden Entscheidungen sofort oder erst viel später ihre Wirkung zeigen und zeigen werden. Dabei geizt das Adventure allerdings nicht unbedingt mit diesen Momenten. Beinahe jedes Gespräch birgt irgendwelche Entscheidungen, dessen Auswirkungen uns noch nicht bekannt sind. Um dem Spieler vor dem Monitor dies zu verdeutlichen, zeigen Texteinblendungen, dass der eben getroffene Entscheid beispielsweise von dem Gesprächspartner nicht vergessen werden wird. Außerdem bietet die erste Episode einige Entscheidungen, die sogar das Gleichgewicht an sich verschieben sollen. Was damit letztlich gemeint sein wird und wie sich diese Beschlüsse dann später anders auswirken werden, wird hier leider noch nicht geklärt. Da müssen wir uns wohl einfach überraschen lassen. Allerdings birgt die Menge aller Entscheidungen, die möglicherweise den Spielverlauf oder die Beziehungen zu anderen Charakteren beeinflussen, einen gewissen Zweifel bei uns, inwiefern in den nachfolgenden Episoden auf all das dann Bezug genommen werden kann. Tatsächlich gehen wir davon aus, dass sich die eigentliche Geschichte nur unmerklich verändert lässt und lediglich einige Stolperscheine am Rande des roten Fadens erscheinen oder verschwinden. Doch wir lassen uns hier gern überraschen.
Tolle Klangwelten
Äußerst angenehm ist uns direkt bei Spielstart der tolle Soundtrack aufgefallen. Was schon alleine im Hauptmenü und im Intro an tollen Melodien zu hören ist, weiß wirklich sehr zu gefallen. Ebenso finden wir es großartig, dass die deutsche Version von ‚Dreamfall Chapters‘ zumindest bei Zoë Castillo erneut mit Marion von Stengel überzeugen kann, welche diese auch schon im Vorgänger gekonnt vertonte. Generell kann man nichts Kritikwürdiges über die deutsche Vertonung an sich sagen. Da es allerdings genügend Spieler da draußen gibt, die sich bei Computerspielen dem Englischen verbundener fühlen als mit ihrer Muttersprache, gibt es auch diese Tonspur im Datenpaket – auf Wunsch sogar mit deutschen Untertiteln, da sich Sprachausgabe und Untertitel separat einstellen und kombinieren lassen. Nicht so schön ist lediglich, dass sich hier und da noch ein paar Bugs eingeschlichen haben, womit in manchen Fällen plötzlich die englische Sprachausgabe oder gar überhaupt nichts zu vernehmen ist. Die Entwickler hatten vor allem mit diesem Aspekt direkt bei der Veröffentlichung große Probleme und besserten bereits nach. Es ist anzunehmen, dass hier noch weiter nachgepatcht werden wird. Gänzlich neu ist Dialogsystem, bei dem nicht nur einfach Antworten oder Fragen zur Verfügung gestellt werden, sondern Zoë den Spieler bei der Auswahl pro-aktiv unterstützt, in dem sie kurz erklärt, was sich hinter der Antwort oder Frage eigentlich verbirgt, was ihre Beweggründe sind oder was sie befürchtet. Erzählerisch ein gekonnter Schachzug, bringt uns das das junge Frauenzimmer noch viel näher und sie wirkt einfach plastischer und somit realer. Das hat uns richtig gut gefallen. Schade, dass sich dieser Punkt bei Kians Spielanteil leider deutlich in Grenzen hält. Dem müssen wir lediglich bei einem Gefängnisausbruch unterstützen, bei dem uns seine Figur leider noch ziemlich flach präsentiert wird.
Arcadia, Stark und die Welt dazwischen
Die optische Präsentation fällt leider hinter der Akustik teils deutlich zurück und zeigt sich äußerst durchwachsen. Manche Locations sehen sehr detailverliebt aus, andere wirken beinahe steril. Des Weiteren sind nicht alle Hotspot vertont oder es kann mit ihnen überhaupt nicht interagiert werden. Dies festigte bei uns den Eindruck, dass das erste Kapitel der neuen Saga noch ein wenig unfertig wirkt. Aber auch ansonsten ist mit den Hotspots generell wenig Interaktion im Adventure-Sinne möglich. ‚Dreamfall Chapters‘ stützt sich sehr deutlich vor allem auf die zu erzählende Geschichte. Rätsel, sofern sie denn überhaupt so zu nennen sind, liegen oft auf der Hand und sollten den Spieler nicht vor ungeahnte Probleme stellen. Dies kommt natürlich dem Spielfluss an sich sehr zugute, Knobelfans fühlen sich hingegen brachial unterfordert. Was man dem Spiel aber nicht absprechen kann, ist erneut dieses Flair, diese bestimmte Atmosphäre zu erzeugen, die bereits in ‚Dreamfall‘ so gekonnt gelungen ist. Die Optik ist vielleicht nicht unbedingt auf dem Stand der Zeit, dafür aber sehr stilsicher und äußerst passend. Lediglich die schwankende Performance ist uns etwas negativ aufgefallen, die selbst auf starken Heim-PCs zum Tragen kommt. Des Weiteren lässt sich im Zuge der geplanten Veröffentlichung auf den Next-Gen-Konsolen das Abenteuer wesentlich besser mit einem Gamepad bestreiten als mit der Kombinationen aus Maus und Tastatur.
Ein etwas zu kurzer Auftakt, der aber Appetit auf mehr macht!
Als wir nach gefühlt drei Stunden bereits den Abspann sahen, waren wir im ersten Moment beinahe geschockt, wie kurz sich doch eigentlich die erste Episode zeigt und dabei sogar dezent mutwillig gestreckt wirkt. In Stark muss man zum Beispiel einen Roboter quer durch die Stadt begleiten, um diesen in verschiedenen Lebenslagen zu testen. Das erschien doch sehr aufgesetzt, bringt die eigentliche Geschichte auch nicht wirklich voran und erscheint uns doch als gewollter Story-Inhibitor, um das Abenteuer etwas länger erscheinen zu lassen. Doch wir wollen uns darüber nicht weiter beschweren: Als große Fans von ‚The Longest Jorney‘ und seinem Nachfolger freuen wir uns sehr über ‚Dreamfall Chapters‘ und können eigentlich kaum die nächste Episode erwarten. Daher sprechen wir eine uneingeschränkte Empfehlung für Fans der Serie aus, die das Ding wahrscheinlich entweder mitgebackt haben oder ohnehin bereits auf der Festplatte installiert haben. Allen anderen empfehlen wir vor allem auch die Vorgänger zu spielen und danach ebenfalls zuzuschlagen. ‚Dreamfall Chapters‘ ist einfach sehr charmant und menschlich erzählt. Die gesetzten Akzente und die Basis versprechen auf jeden Fall schon einmal viel. Wir können die zweite Episode kaum abwarten und sind sehr gespannt, wie es weitergehen wird!

[ 31.10.2014 ]

Buch II: Rebels
Mit einer kräftigen Verspätung haben wir uns nun endlich das zweite Buch von 'Dreamfall Chapters' angeschaut. Nachdem uns der Einstand mit allerhand Fragen zurückgelassen hatte, verschlägt es uns erneut abwechselnd an die Seite von Zoë und Ex-Apostel Kian. Letzterer gerade noch schwer verletzt aus dem Azadi-Gefängnis getürmt, lernt den Widerstand kennen und wird vor die Frage gestellt, sich den Rebellen anzuschließen. Allerdings ist uns vor allem sein anfänglicher Part etwas zu zäh geraten. Darin verschlägt es den Ex-Apostel nach Marcuria und durch das viele Hin und Her durch die Straßen der Stadt, streicht einfach zu viel Zeit ins Land, als dass es irgendwie interessant sein würde. Eine Schnellreisefunktion hätte dem Adventure vor allem hier richtig gut getan. Im Gegenstatz dazu, empfanden wir es aber als äußerst angenehm, dass bereits bekannte Örtlichkeiten, wie beispielsweise der des 'Journeyman Inns' oder der Marktplatz, erneut besucht werden können und obendrein optisch recht nah an 'Dreamfall' heranreichen. Denn wer hat es nicht schon erlebt, dass altbekannte Orte in Fortsetzungen gern einmal völlig anders aussehen? Gerade aufgrund dieser Konsistenz und der damit verbundenen Liebe zum Detail nehmen wir den Machern die Welt von 'Dreamfall Chapters' ab. In Stark ist derweil die gute Zoë noch immer damit beschäftigt, sich ihrem Gedächtnisverlust anzunehmen und sich zu erinnern, was einst geschah.
Erste Konsequenzen unserer Entscheidungen sind erstmals spürbar und wir waren sogar überrascht, wie selbst kleine Entscheide ungeahnte Effekte auslösen können. Ob sich das aber auf die gesamte Geschichte auswirken wird, bleibt abzuwarten. Gut funktionieren tut dies allerdings nicht immer: Obwohl wir uns beispielsweise bemüht haben, Zoës Beziehung zu ihrem Freund Reza erneut erstarken zu lassen, begann sich das junge Paar urplötzlich anzupöbeln und zu streiten. Natürlich möchten uns die Entwickler die Aufgabe nicht allzu leicht machen, doch so wirklich nachvollziehbar war dieser plötzliche Tonwechsel nicht. Zusammengefasst müssen wir aber letztlich leider schon sagen, dass das zweite Buch deutlich schwächer als Numero eins ist. Das liegt vor allem daran, dass die Geschichte erst gegen Ende wirklich in Fahrt kommt und den roten Faden findet. Jedoch werden erneut so viele Fragen aufgeworfen, das wir nichtsdestotrotz dennoch bei Stange gehalten werden und uns äußerst gespannt wie ein Flitzebogen auf Buch drei blicken lassen. So allmählich wäre übrigens ein Setting-Wechsel angebracht. Denn mittlerweile haben wir uns an den nächtlichen Streifzügen durch Propast und Marcuria doch ziemlich satt gesehen.

[ 12.04.2016 ]

Buch III: Realms
Nachdem die letzte Episode mit einem buchstäblich großen Knall zu Ende ging, starten wir - nach einem Abstecher zu Saga und dem Auffinden von Zeichnungen - in Arcadia, um mit Kian herauszufinden, was es mit den endlosen Rohrleitungen, die überall in der Stadt Marcuria verteilt sind, eigentlich auf sich hat. Außerdem spitzt sich die Problematik der Deportation der Magiebegabten weiter zu. Zeitgleich muss sich Zoë in Propast mit einer massiv anwachsenden Präsenz von Eye-Einheiten herumschlagen, die die Bürger gar nicht mehr auf die Straße lassen wollen und die am liebsten dauerhaft an Dreammachines baumeln sehen würden. Um's direkt vorweg zu nehmen: Buch drei hat uns gut gefallen und wird deutlich straffer erzählt als das zweite Werk. Von etwaigen Längen findet sich hier jedenfalls keine Spur, wenn man von der Sucherei nach Hotspots vor allem zu Beginn absieht. Mit der jungen Saga durch das Haus zu tigern, um sieben recht gut versteckte Zeichungen zu finden, zieht sich dann doch leider ein wenig. Anschließend trifft Kian in Marcuria ein ähnliches Schicksal, bei dem wir in den Straßen der Stadt die richtigen Items finden müssen. Da wären ein paar Hinweise definitiv nicht fehl am Platze gewesen. So allmählich verschwindet allerdings der Dunst über so manchem Fragezeichen. Das hat uns letztendlich dann doch sehr mitgerissen. Leider sind die Konsequenzen der Entscheidungen dieses Mal weniger kritisch und lösen sich teils gar in Wohlgefallen auf, ganz gleich, was wir da bereits entschieden haben.
Absolutes Highlight war ganz klar das Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Natürlich verraten wir hier nicht, um wen es sich handelt, aber das sorgte für uns als Fans seit 'The Longest Journey' für ein richtig schönes nostalgisches Gefühl im Bauch. Obendrein hat man auch hier darauf geachtet, den (deutschen) Sprecher ins Boot zu holen, der diesen Job im Vorfeld bereits übernahm. Ebenso sehr positiv: Endlich bereisen wir Marcuria am helllichten Tage, wo die Unity-Engine bei strahlendem Sonnenschein so richtig die Muskeln spielen lassen darf. Dieser Setting-Wechsel – obgleich dezent, da sich ja letztlich nur die Tagesszeit ändert – war unserer Meinung nach bitter nötig. Die maximale Pracht setzt allerdings noch immer einen ziemlich potenten PC voraus – und wir haben hier schon die neuere Fassung gespielt, bei dem Entwickler 'Red Thread Games' auf die nächste Unity-Version gewechselt ist. Doch Schwamm drüber, denn störender fanden wir da auf jeden Fall die Hotspotsucherei zu Beginn, die man gern kürzer hätte gestalten können. Überhaupt kristallisiert sich so allmählich heraus, dass das Gameplay bislang ein ganzes Stück hinter der Geschichte zurückbleibt und nicht unbedingt die große Stärke des Abenteuers ist. Die viele Lauferei wirkt manchmal aufgesetzt oder eben zu lang. Abgesehen davon war Zoës Besuch in einem dunklen Lagerhaus, in dem sie Bösewichter umschleichen muss, scheinbar bei den Synchronisationsarbeiten unbedacht geblieben. Denn das Frauenzimmer und ihr Begleiter reden in normaler Lautstärke munter lautstark weiter, was leider ein wenig die Immersion zerstört, wenn die Bösewichter nur wenige Meter entfernt stehen und das Geplapper eigentlich deutlich hören müssten. Dennoch: Buch drei ist von Anfang bis Ende sehr gut geschrieben und spannend erzählt, wenn auch das Gameplay nicht unbedingt auf dieser Welle mitschwimmt. Schauen wir mal, wie's weitergeht!

[ 13.04.2016 ]

Buch IV: Revelations
Nachdem es Zoë endlich geschafft hat, mit dem Widerstand in Marcuria Kontakt aufzunehmen, verpasst sie leider ihren alten Kumpanen Kian um Haaresbreite, der sich auf den Weg nach Ge'en macht, um nun endlich herauszufinden, wo die vielen Magischen überhaupt hingebracht werden und vor allem, was dort mit ihnen angestellt wird. Werden sie wirklich umerzogen oder steckt etwas vollkommen anderes dahinter? Obwohl für uns Kians Parts bislang die schwächsten des Spieles waren, hat uns seine Rolle in Buch vier außerordentlich gut gefallen. Obgleich seine Entdeckungen in Ge'en zugegebenermaßen ein wenig Over-The-Top wirken – doch wir möchten hier nicht zu viel verraten. Allerdings spielt es kaum eine Rolle, dass wir mit dem Apostel dieses Mal deutlich zufriedener waren, stiehlt ihm Zoës Geschichte nichtsdestotrotz einmal mehr die Show. Denn die ist auf der Suche nach den Purpurbergen, um den ersten Träumer zu finden. Auf dem Weg warten gleich mehrere altbekannte Figuren aus den Vorgängern auf einen kurzen Plausch. Gegen Ende wird's sogar noch einmal richtig emotional...
Das Gute hier: Die Geschichte ist sehr kompakt gehalten und das Gameplay rückt in den Hintergrund. Dabei zeigt sich sehr deutlich, dass die Erzählung des Plots die größte Stärke des Entwicklers ist. Es gibt zwar noch immer die typischen Suche-die-Location-nach-X-Gegenständen-ab-Aktionen, doch ist das zeitlich dieses Mal viel kürzer. Obendrein zeigt sich das Navigieren durch Marcuria ein ganzes Stück vereinfacht, da nicht nur die Orte deutlich näher beieinanderliegen, sondern zugleich noch navigatorische Hilfe geboten wird. So sind die relevanten Örtlichkeiten schnell gefunden. Begeistert hat uns Buch vier aber – neben der interessanten Geschichte – mit der überaus ansehnlichen Präsentation. Als Zoë auf ihrem Weg bei drei Hexen vorbeischaut, hat uns das Gesehene schon ziemlich umgehauen. Hätten wir in dieser Qualität gar nicht erwartet. Aber genug der Worte: Buch vier ist toll erzählt und äußerst stimmig präsentiert. Zweifelsohne der bislang beste Happen von 'Dreamfall Chapters'! Schade, dass die letzte Episode noch nicht erschienen ist. Wir hätten nämlich am Liebsten direkt weitergespielt.

[ 14.04.2016 ]

Buch V: Redux
Da ist es also: Mit dem fünften und letzten Buch der Dreamfall-Chapters-Saga findet die lange Reise endlich ein Ende. Eine Reise, die vor 17 Jahren mit 'The Longest Journey' ihren Anfang nahm, später mit 'Dreamfall' fortgesetzt wurde und nun eben mit 'Dreamfall Chapters' abschließt. Das Finale glückte beinahe restlos und lässt uns als Fans der ersten Stunde doch tatsächlich mit ein wenig Wehmut zurück, dass es nun vorbei ist. Auf die Geschichte wollen wir aufgrund der Vermeidung von bösen Spoilern lieber komplett verzichten. Nur soviel sei verraten: Einige Szenen haben uns vollkommen überrascht, andere werden derart charmant erzählt, dass jedem Fan der Reihe das Herz höher schlagen dürfte. Musikalisch ist Buch fünf obendrein ein echter Hinhörer: Bei den zahllosen vor allem emotionalen Momenten greifen die Noten den Bildern hervorragend unter die Arme. Lediglich das Entscheidungssystem hat uns nicht gut gefallen. Es laufen jetzt zwar endlich sämtliche Fäden zusammen, aber die Entscheidungen klingen oft nach mehr als es denn ihre Konsequenzen darbieten. Ja, es gibt auch Opfer und ja, wir können an der ein oder anderen Stelle schrauben, doch für die Geschichte ist das letztlich dennoch wenig relevant. Und einige wenige Entscheidungen sind nicht unbedingt nachvollziehbar, vor allem was Kians Partnerwahl angeht ...
Buch fünf "Redux" besinnt sich im letzten Akt übrigens auf das zentrale Element - dem Erzählen und vor allem Abschließen der Geschichte. Die Rätsel halten eigentlich kaum auf und das ist auch gut so. Wir haben das Finale jedenfalls in einem Rutsch durchgespielt. Stetig mit der Motivation im Rücken, nicht nur zu erfahren, wie die Reise endet, sondern auch wie stark die Vorgänger dabei eine Rolle spielen. Wir wollen nichts verraten, doch wir waren überrascht, wie stark das alles verzahnt ist. Vieles ergibt jetzt erst einen Sinn und zeigt das Potential, das noch immer in der Brust dieser Serie werkelt. "Redux" hat uns klar von allen Episoden am Besten gefallen! Einziger Wehrmutstropfen ist leider die - zum Zeitpunkt dieses Reviews - fehlende deutsche Sprachausgabe und Untertitel. Entweder man rätselt sich auf Englisch zum Finale oder muss noch ein bisschen Geduld mitbringen - echt unschön! Aber das Warten - und das können wir verraten - wird sich definitiv lohnen!

Finales Fazit:
Und damit endet diese "längste Reise" und wir freuen uns, dass die Serie nun endlich ein wohlverdientes Ende gefunden hat. Aber dennoch stechen ein paar wenige Punkte hervor, welche das ansich positive Bild etwas betrüben: Das Gameplay ist defintiv nicht die Stärke der fünf Episoden/Bücher und man merkt auch, dass der Entwickler selbst diesen Umstand eingesehen hat. Denn je mehr die Episoden voranschreiten, je weniger Rätsel und Laufwege finden sich. Punkt zwei auf unserer Liste: Uns fehlten die langen Dialoge zwischen den Charakteren. Vergleicht man jedenfalls die beiden Vorgänger mit 'Dreamfall Chapters', fällt das doch spürbar wortkarger aus. Schade, waren die toll geschriebenen Dialoge eigentlich eine große Stärke der Reihe. In Episode eins blitzt zwar der alte Charme kurz durch, nimmt dann aber im Laufe der Handlung deutlich ab. Was die Länge des Adventures angeht, so müssen wir ehrlich sagen, dass mindestens eine Episode hätte weggelassen werden können, um mehr Zeit für die wichtigen Aspekte der Geschichte zu haben. Beinahe fühlt es sich jedenfalls so an, als habe man mit 'Dreamfall Chapters' ausschließlich das Finale im Kopf gehabt. Immerhin platzen Buch IV und Buch V erzählerisch aus den Nähten, während Numero zwei und drei ein paar Längen beinhalten, die nicht hätten sein müssen. Komplett betrachtet sehen wir übrigens auch das Entscheidungssystem recht kritisch - mehr als "ganz nett" kann man es kaum beschreiben. Ob das wirklich notwendig war, um etwas verkrampft auf der Welle der Telltale-Games-Spiele mitzuschwimmen, muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

Hauptkritikpunkt ist aber ohne Zweifel die Veröffentlichungspolitik. Es hat nicht weniger als knapp zwei Jahre gebraucht, um an diesem Punkt zu stehen und das ist definitiv zu viel des Guten. Obendrein mussten Fans der deutschen Sprache zusätzliche Geduld mitbringen, da die Untertitel- und Sprachdateien erst später nachgereicht wurden. Unserer Meinung nach war das recht kontraproduktiv. Denn in unserer heutigen und schnelllebigen Welt sind wir uns sicher, dass nicht wenige Abenteuerspieler nach Monaten schlicht vergessen haben, was in etwaigen Vorepisoden nun ganz genau passiert ist. Da können wir schon verstehen, wer lieber auf die Komplettierung gewartet hat und erst jetzt zuschlägt.

Aber sei's drum: Wir verschmerzen diese Kritikpunkte - zu schön war das Wiedersehen mit so vielen alten Bekannten der Serie. Vor allem die allerletzte Episode rundet die gesamte Geschichte derart charmant ab, dass bei uns grundlegend keinerlei Punkte offengeblieben sind. Unser Fazit: Wer weder 'The Longest Journey', noch 'Dreamfall' bislang gespielt hat, der sollte mit dem Kauf warten und unbedingt diese beiden Vorgänger nachholen! Für Fans und Kenner der Reihe ist das Zugreifen Pflicht! Immerhin kommt endlich alles zum Abschluss und sämtliche Fragen werden beantwortet werden. Wir verbinden mit 'The Longest Journey' jedenfalls so viele Erinnerungen, mit 'Dreamfall' nicht weniger und alleine deswegen finden wir, dass mit 'Dreamfall Chapters' ein echt schönes Finale gelungen ist. Ein Finale einer Reise, die 17 Jahre andauerte und viele Spieler begleitete. Dass das nun vorbei sein soll, erzeugt tatsächlich schon ein wenig Wehmut. Nichtdestotrotz hatten wir nach dem Abspann nur einen Gedanken: "Was ein tolles Ende ... Wird Zeit, die Reise noch einmal ganz von vorn zu beginnen, als eine gewisse April Ryan zum ersten Mal entdeckte, dass neben ihrer Welt noch eine andere exisitiert ..."

[ 21.06.2016 ]

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