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Einleitung:Part I
Amiga 500:Part II | Part III | Part IV | Part V | Part VI
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Part XII | Part XIII | Part XIV
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Kolumne 30: (Zu) lang ist's her - Part I
Nostalgie scheint wie ein guter Wein zu sein: Je länger sie währt, je besser ist sie letztendlich. Auch wenn der Vergleich treffend scheint, kann ich selbst mit dem besten Wein nichts anfangen, dafür jedoch umso mehr mit Nostalgie. Sie ist wie das Bild der Freundin im Portmonee, die Armbanduhr oder die Autoschlüssel: Sprich man hat sie irgendwie immer dabei. Sie durchströmt einen und scheint allgegenwärtig zu sein. Der Eine nimmt es als Nachteil für Menschen war, die stetig in der Vergangenheit zu leben scheinen, für die anderen ist es eine Art Anker, der einen zwar beruflich oder sozial vorankommen lässt, aber irgendwie zu verhindern scheint, dass man so richtig erwachsen wird und immer der „kleine Junge“ bleibt, der sich noch immer gern mit den Freunden der Kindheit und Teenager-Zeit trifft, um über die „guten alten Zeiten“ der Computer- und Konsolenspiele zu philosophieren. Um sich dann über schwierige Endbosse, knackige Rätsel oder die tollen Geschichten auszutauschen. Mit dieser Kolumne möchte ich Euch mit auf eine kleine Reise nehmen, eine Reise in meine private nostalgisch stark eingefärbte Vergangenheit und meinen Start mit dem Medium Computer bis zu dem Zeitpunkt, wo die Nostalgie endet.

(Diese Kolumne beginnt persönlicher als andere meiner Texte in der Vergangenheit, was vielleicht nicht unbedingt jeden interessiert. Daher empfehle ich allen, die sich nur für die Computer-Parts und –Spiele an sich interessieren, gleich zum Absatz "Commodore Amiga 500" zu springen und diese Einleitung direkt auslassen. Des Weiteren gebe ich hier zu bedenken, dass sich diese Kolumne nicht nur auf Adventure-Titel stützt, sondern auf das gesamte Spiel-Genre…)

Geboren und aufgewachsen bin ich in einem kleinen Ort im Bezirk Halle der damals noch existierenden Deutschen Demokratischen Republik. Genau so wie diese Diktatur nichts mit der namensgebenden Demokratie zu tun hatte, hatte ich eigentlich auch mit Computern so ziemlich gar nichts am Hut - des Weiteren gab es auch keine. In der Kindheit war ich faktisch non-stop unterwegs. Kaum war die Schule vorbei, schnappte ich meinen Bruder Heiko und dann waren wir auf den Straßen unserer Stadt unterwegs, trafen Freunde und trieben so ziemlich allerlei Unsinn. In der Schule war ich eigentlich recht gut. Vor allem die deutsche Sprache interessierte mich sehr und so konnte ich bereits vor der ersten Klasse einige Worte lesen. Es machte mich immer schier wahnsinnig, wenn ich Worte noch nicht verstand oder lesen konnte. So kam ich auch relativ schnell zum Medium Buch. Vor allem meine Mutter war schon immer eine extreme Leseratte und schaffte selbst die dicksten Bücher in nur wenigen Tagen. Diese Welt, die da in den Seiten schlummerte, reizte mich so sehr wie nichts anderes auch nur annährend zu dieser Zeit. So übte ich lesen und schreiben wie ein Verrückter und war recht schnell ganz gut darin. Mir war es aber auch nicht nur wichtig, die Wörter verstehen zu können: Viel wichtiger war es mir, diese Worte mit meinen eigenen Worten lebendig werden zu lassen und beispielsweise meinem kleinen Bruder vorlesen zu können. Das war zu Beginn gar nicht so einfach, das Gelesene korrekt zu betonen, jedes Wort exakt laut zu lesen, aber gleichzeitig auch selbst zu verstehen, was man da eigentlich las. Es war toll, meinen kleinen Bruder so mit auf die Abenteuerreisen der Buchseiten nehmen zu können. Mich faszinierten dabei allerdings weniger die bekannten Märchen, mehr große Abenteuergeschichten. Ich liebte dabei schon immer diesen einen Moment, in dem man plötzlich nicht mehr der Junge war, der da im Bett saß, sondern auf einmal an dem Ort zu sein schien, über den man da gerade im Buch las. Plötzlich bewegten sich die Augen von alleine, die Hände blätterten unbewusst die Seiten um, denn man war nicht mehr da, um das selbst zu tun. Man war in der Geschichte und erlebte dort die tollsten Abenteuer hautnah. Vielleicht war eben dieses Phänomen das Ausschlaggebende, warum ich noch heute Computerspiele mit guten Geschichten liebe und des Weiteren auch viele Jahre in meinem Leben eigentlich Buch-Autor werden wollte. Grundlegend wollte ich immer schreiben, verfasste in früher Kindheit sogar kleine Mini-Romane, die mich unendlich stolz machten. Sicherlich waren diese Anfänge auch einer der Gründe, warum ich Jahre später eine Adventure-Webseite mit meinem Bruder schuf. Die Spiele boten - wie gute Bücher - meist tolle Geschichten und ich konnte meinen Faible für's Schreiben ausleben. Das passte einfach schon immer. Aber ich möchte nicht derartig weit vorgreifen. Beginnen wir ganz zu Beginn, sagen wir kurz vor der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1988.
Mein Start in die Welt der Computerspiele - Digger (1989)
Der 1. Kontakt
Bis zur zweiten Klasse habe ich derartig viele Kinderbücher gelesen, dass ich mich heute kaum noch an die vielen Titel erinnern kann. Dann plötzlich bot uns die Schule eine wöchentliche Nachmittagsschulung an, mit dem für Kinder gähnend langweiligen Namen „Computerkurs“. Ich wusste zwar mit dem Begriff „Computer“ etwas anzufangen, aber für mich schienen das nur Rechenknechte für irgendwelche mathematischen Aufgaben zu sein. Doch ich wollte mir unbedingt selbst ein Bild machen, ob das stimmte. So schrieb ich mich ein, doch bereits in der ersten Stunde schien meine Annahme sich direkt zu bewahrheiten: Der BASIC-Grundkurs auf dem KC85 war zwar eine interessante Erfahrung, mit dieser seltsamen Maschine in Verbindung treten zu können, doch waren es letztlich nur irgendwelche mathematischen Anwendungen. Nicht gerade das, was man sich als Zweitklässler so wünscht. Dann aber war die Lehrstunde vorbei und der Lehrer bot uns an, die letzten 20 Minuten mit einem Computerspiel zu spielen - genannt „Digger“. Dabei ging es um eine Art Grillenwesen, das Diamanten einsammeln musste und dem dabei allerlei Hindernisse in den Weg gestellt wurden. Ich versuchte es einmal, starb, versuchte es ein zweites Mal, starb, versuchte ein drittes Mal, überlebte das Hindernis und auf einmal wurde etwas vollkommen Unbekanntes in mir geweckt. Es machten mir solch‘ großen Spaß, dass die 20 Minuten wie im Flug vergingen. Abends erzählte ich meinen Eltern in totaler Euphorie von diesem Computerspiel und ich konnte kaum die nächsten 7 Tage bis zur zweiten Unterrichtsstunde abwarten. Die darauf folgende Woche schien endlos zu sein und ich zählte förmlich die Sekunden. Dann war der Tag endlich erreicht und ich war bereits in der Schule total nervös. Als dann endlich Nachmittag wurde und ich dem Kurs endlich wieder beiwohnen konnte, war BASIC für mich plötzlich ein Mittel zum Zweck geworden, nur um endlich wieder bei den letzten 20 Minuten anzukommen, um noch ein, zwei Level von „Digger“ absolvieren zu können. Es war ein totaler Spaß, doch fand ich damals leider noch nicht so viele Gleichgesinnte, die ebenso das Spiel kannten. Denn viele Bewerber hatte der Computerkurs nicht, galt er doch als öde und langweilig.
Zusammen, was zusammen gehört
Die deutsche Wiedervereinigung brachte dann viele Veränderungen mit sich. Obgleich der DDR-Bürger stetig mit Limitierungen und Engpässen diverser Produkte leben musste oder auch Vieles gar nicht erst zu haben war, so sparte die Diktatur niemals an der Schulbildung: Es gab immer genügend Lehrer und Betreuer, gute Leistungen wurden sogar mit Urkunden geehrt – zusätzlich zu den Zeugnissen. Das war tatsächlich gut durchdacht, obgleich es wohl das wenige Gute an dieser Diktatur gewesen sein dürfte. Doch die Wiedervereinigung schaffte – vor allem in meiner Gegend – ein ziemliches Chaos. Meine Heimatstadt war vorher eine Industriestadt mit über 35.000 Einwohnern und dann plötzlich sahen auch wir Kinder, dass das vereinigte Deutschland erst einmal wenig an Wohlstand bringen würde: 8 von 10 Betrieben wurden kurzerhand geschlossen, in den Schulen wurden massiv Lehrkräfte abgebaut und es kam zu einer nie dagewesenen Massenarbeitslosigkeit. Daran erinnere ich mich heute noch mit einer immensen Wehmut. Ich mag erst 10 Jahre alt gewesen sein, doch so viel Verzweiflung hatte ich vorher noch nie in den Gesichtern von Erwachsenen gesehen. Täglich kamen Mütter und Väter nach Hause zu ihren Familien und berichteten schmerzhaft von ihrer Entlassung. Und für mich als Kind ein besonderer Schock war, dass der Lehrer des geliebten Computerkurses ebenfalls entlassen wurde und mit seinem Weggang auch der gesamte Kurs und damit auch mein geliebtes „Digger“ ein jähes Ende fand. Die Schule errichtete dann einen Raum mit zwei westlichen Computern im Hort-Bereich ein. Mein erster Kontakt mit dem Atari 2600 und dem wesentlich weiter entwickelten Commodore 64 (kurz C64). Leider mussten sich die beiden Maschinchen zahlreiche Hort-Kinder teilen. So kam man vielleicht in zwei Stunden einmal dazu, eines der beiden Geräte zu spielen. Den größten Teil der Zeit wartete man. Spaß machten beide Geräte, doch vor allem der C64 hatte es mir angetan. Darauf spielten wir „X-Out“, „Turrican“ und „The Great Giana Sisters“ – was hatten mich damals diese Titel geflasht. Die Grafik, die Musik, es war völlig anders als alles, was ich jemals in dieser Richtung zuvor sah. Ich war extrem fasziniert und freute mich über jede Sekunde, die ich am Joystick zocken durfte. Doch das Beste war, dass man endlich Gleichgesinnte traf und in den Spielpausen detaliert über das Gespielte, die schweren Passagen, das beste Raumschiff oder den Endboss palaverte: Kurzum ein Riesenspaß! Wenngleich der Raum leider nicht täglich aufgeschlossen wurde, was schade war.
X-Out (1989) - Bockschwer, aber grafisch und soundtechnisch für mich damals eine unfassbare Offenbahrung
Kurze Aufbruchsstimmung
Neben diesem Hort-Computerspiel-Erlebnis versuchte unsere Stadt wirklich alles, um uns Kindern auch nach der Schule noch Möglichkeiten für die Freizeit bieten zu können - trotz der Massenarbeitslosigkeit im Ort. So wurde wenig später das ehemalige Pionierhaus zum Jugendfreizeittreff umfunktioniert und zu meiner Freude, zog das komplette Computerlabor der KC85-Rechner auch dorthin. Nun konnte ich täglich „Digger“ und andere Spiele spielen. Leider jedoch war dieser Spaß nicht von Dauer: Monate später warfen eines Nachts irgendwelche Unbekannte Molotowcocktails oder was-auch-immer durch die Scheiben des Jugendfreizeittreffs. Die Feuerwehr tat, was sie konnte, doch das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Alle Geräte, von den Computern bis zu den Tischtennisplatten, fielen dem Feuer zum Opfer. Es war einer der größten Brände, der je in unserer Region wütete. Die Stadt kratzte dennoch Geld zusammen und errichtete in einem alten leer stehenden Gebäude einen weiteren Jugendfreizeittreff und rüstete sogar ein komplettes Computer-Labor mit C64-Rechnern ein. Ich war täglich dort, denn inzwischen hatten auch die Zockerrunden im Schulhort ein Ende, da die Schulleitung fürchtete, dass Kinder gar vom Lernen abgehalten werden könnten.

Mittlerweile schrieben wir das Jahr 1991 und ich bettelte meine Eltern seit mindestens 2 Jahren an, mir einen eigenen Computer zu kaufen. Und im August 1991 war es dann soweit: Für 879,- DM kauften mir meine Eltern einen Amiga 500 aus dem Quelle-Katalog. Ich hatte vorher wirklich keine Ahnung, was dieser Computer konnte oder nicht konnte. Ich wusste auch nicht, dass es der große Nachfolger des C64 war. Ich wollte eben einfach nur gern einen eigenen Computer haben und ich schien direkt einen Volltreffer damit zu landen, denn das, was mir der Amiga 500 bot, war schier absolut unglaublich…
Der Amiga 500 ... Willkommen in der neuen (Computer)-Welt
Kapitel I : Commodore Amiga 500
Erschienen: 1987
Verkaufte Einheiten: ca. 5 Millionen
Architektur: 16 Bit / Motorola CPU 68000 mit 7,09 MHz (PAL) bzw. 7,16 MHz (NTSC)
Arbeitsspeicher: 512 KByte
Grafische Darstellung: 320x256 Bildpunkte (Standard-Auflösung) mit 32 Farben gleichzeitig aus einer Gesamtpalette von 4096 Farben
Mein Amiga 500: RAM erweitert auf insgesamt 2,3 MByte RAM / zwei externe Diskettenlaufwerke / TV-Modulator
Als der Computer nach 2 Wochen Wartezeit endlich bei uns eintrudelte, war ich endlos nervös. Das war einer dieser Momente, wo man sich heute zurück erinnert und sich denkt: „So stark habe ich mich später im Leben nie mehr gefreut“ (natürlich bezogen auf nicht-soziale oder -familiäre Ereignisse. Doch ich bin mir sicher, Ihr wisst, was ich hier sagen möchte). Es war eine Mischung aus totaler Euphorie und extremen Hype. Beigelegt waren zwei Diskettenboxen voll (also insgesamt 20 DD-Disks) mit unterschiedlichsten Spielen. Ich erinnere mich noch an Titel wie „Captain Blood“ (das ich nie verstand, da ich kein Englisch konnte), „Jumping Jack’son“ (das nicht funktionierte), „Wizzball“, dann so einen „Marble Madness“-Clone mit der Hintergrundmelodie „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode, an dessen Titel ich mich heute beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, „Hostages“ und dann noch einige andere. Es waren also Spiele, die eher auf einem minimalistischen Level unterhalten haben, ähnlich heutiger Handy-Casual-Spiele: Man startet es, spielt es ein paar Minuten, aber wirklich Spaß macht es eigentlich nicht. Es geht mehr darum, schlicht die Zeit damit totzuschlagen. Somit verursachte der Amiga oder besser seine Spiele bei mir erst einmal eine absinkende Euphorie. Ich dachte mir: „Wenn alle Spiele für den Amiga so aussehen, dann ist es vielleicht nett, aber doch kein Vergleich zu ‚X-Out‘, ‚Turrican‘ oder ‚Giana Sisters‘, die ich vom C64 kannte.“ Ein paar Wochen später überraschte mich dann meine ältere Schwester mit einem Geschenk: Neues Futter für meinen Amiga. Ich begutachtete die Disketten und die Spieletitel, die darauf gedruckt waren, und dann sah ich es: „Turrican II – The Final Fight“. Ich hatte vorher keinerlei Ahnung, dass es da überhaupt eine Fortsetzung gab, legte das Spiel kurzerhand ein und war platt: diese Grafik, dieser Sound, diese tolle Musik von Chris Hülsbeck! Meine Euphorie schoss plötzlich wieder auf den Maximallevel von 99 und ich präsentierte meinem Vater und meinem jüngeren Bruder Heiko stolz das Game. Ich erklärte jedes Detail - grundlegend war die Mechanik ja identisch zum Vorgänger. In aller Euphorie wurde aus dem Lichtbogen, den Turrican beim Halten des Feuerknopfes auslösen könnte, gleichmal das Laserschwert und so heißt das Ding bei mir auch heute noch. Ironischerweise kannte ich damals „Star Wars“ noch gar nicht. Ich sah vor allem meinem Dad an, dass er nicht so ganz nachvollziehen konnte, was jetzt wirklich die Faszination dieses Spieles ausmachte, doch für mich lag eine völlig neue Welt vor meinen Füßen und ich zockte den Titel wie ein Irrer. Ich malte mir sogar aus, wie das nächste Level wohl aussehen könnte und spekulierte sogar darauf, dass „Turrican II“ noch viel cooler wäre, wenn man Fluglevel haben würde. Und was soll ich sagen: Als dann tatsächlich plötzlich Fluglevel kamen, war mein Hype um das Spiel erst recht zutiefst gefestigt. In dem bereits vorher genannten Freizeittreff erzählte ich meinen Freunden von „Turrican II“ und manche kannten es nur vom Hörensagen, dass es da Musik geben solle und die Grafik besser wäre als auf dem C64. Ich unterstrich diese Gerüchte und obwohl ich es nicht wirklich darauf anlegte, entstand schnell eine Art Neid bei vielen Freunden und Bekannten, die daheim noch nicht einmal einen C64 hatten und zum Zocken eben immer in diesen Freizeittreff mussten. Ärgerlicherweise kamen einige der Disketten, die ich von dem Klassenkameraden meiner Schwester erhielt, mit Lesefehlern und so war auch für mich bei „Turrican II“ erstmal nach den Flugleveln Schluss – ein Schock. Tatsächlich sollte ich „Turrican II“ erst Jahre später beenden können.
Turrican II (1990) - Der C64 konnte mich vielleicht vorher grafisch mit anderen Spielen beeindrucken, aber das war fast in der ersten Sekunde direkt wieder vergessen, als ich dieses multimediale Feuerwerk auf dem Amiga 500 vor Augen hatte.
Doch in der Zwischenzeit hatte man leider auch den zweiten Jugendfreizeittreff in meiner Heimatstadt dem Erdboden gleichgemacht. Dieses Mal nicht mit einer Brandbombe, sondern mit schlichtem, fiesem Diebstahl. Kurzum: Jemand brach dort eines Nachts ein und räumte wirklich jeden Raum mit elektronischen Geräten leer. Als ich am nächsten Tag dort ankam, konnte ich meinen Augen kaum trauen: Alles war weg und meine Heimatstadt weigerte sich, einen dritten Versuch zu starten und das Projekt „Jugendfreizeittreff“ wurde vollständig beendet … Leider wurde auch das Personal, das da war, um uns zu beaufsichtigen, im gleichen Atemzug entlassen. Wenn ich eines Tages mal diese Deppen treffe, die dafür verantwortlich waren... Als ob die Zeiten damals nicht schon schwierig genug waren. Mich ärgert das selbst heute, so viele Jahre danach, noch genauso sehr wie an dem Tag, als ich es mit eigenen Augen sah.

Die Schließung brachte aber spätestens jetzt die bekanntesten Heimcomputer und –konsolen auf die Wunschliste vieler meine Freunde und Bekannte. In binnen weniger Monate war beinahe mein ganzer Freundeskreis mit Amigas oder Konsolen wie dem NES (Nintendo Entertainment System) oder dem Sega Master System ausgestattet. Auf die Weise erhielt ich nun ein extrem breites Spektrum der Spielewelt und lernte auch die Konkurrenz sehr zu schätzen: Auf dem Sega Master System fand ich beispielsweise „Alex Kidd“ unfassbar gut und spielte es eigentlich regelmäßig, wenn ich meinen Kumpel besuchte, der dieses Spiel plus Konsole in petto hatte. Vor allem die Titelmelodie und der Titelscreen sind mir ins Gehirn gebrannt. Auf dem NES hatten wir vor allem in kleineren Gruppen mit „Nintendo World Cup“, einem Fußballspiel der etwas anderen Art, unbeschreiblich viel Spaß. Das Lustige an diesem Titel war, dass jede Fußballnation spezielle „Torschuss-Super-Moves“ hatte, die jenseits von physikalischen Grundgesetzen den Ball ins Tor beförderte. Außerdem war es möglich, mit Fußballschüssen nicht das Tor, sondern die Spieler des gegnerischen Teams anzuschießen und sie damit bewusstlos werden zu lassen. Nicht wenige Spiele endeten daher mit einem Spielfeld voll bewusstloser Spieler. Da wurde vor dem Fernseher gebrüllt und gelacht, was das Zeug hält. Wahrleich ein unvergleichlicher Spaß. Ironischerweise war „Mario Bros.“, Nintendos Vorzeigetitel, für mich nur semi-interessant, was sich aber später bedeutend ändern sollte.
Alex Kidd in the Miracle World (1986) - Von diesem Titel brauche ich nur den Intro-Screen zu sehen und schon bekomme ich direkt Lust loszuspielen
Auch wenn die anderen Welten toll waren, ich jedoch bleib beharrlich bei meinem Amiga, weil ich dort einfach ein beträchtlich größeres Spieleangebot vorfand. Im Laufe der Jahre hatte ich gut um die 200 Spiele, die mehrere große Diskettenboxen füllten. Das ging sogar soweit, dass ich mir Listen erstellte und ausdruckte, die alle Titel alphabetisch sortiert darstellten. Sinn dahinter war, dass es mich nervte, wenn sich Freunde Spiele ausleihen wollten und ich eine Diskettenbox nach der anderen anschleppen musste. So übergab ich einfach mehrere Blatt Papier und wie in einem Einkaufsladen wurde dann von dem Gegenüber gemeint: „Ich hätte gern Spiel A, Spiel B und Spiel C“ und ich suchte die dann entsprechend raus. Wer gewisse Titel nicht kannte, bekam von mir sogar entweder eine freundliche Beratung oder ich zeigte das Spiel kurzerhand. So gesehen, war ich wirklich schon damals teuflisch serviceorientiert. Das ging dann sogar soweit, dass ich begann, mir einen Hefter anzulegen, wo ich – ebenso mit einem Textverarbeitungsprogramm erstellt – sorgsam alle Cheats, Tipps und später sogar ganze Komplettlösungen verfasste. Selbst die konnten bei mir dann ausgeliehen oder gar abkopiert werden, sofern man den Weg zum städtischen Copy-Shop antreten wollte – und was soll ich sagen: Wir waren so oft dort, dass wir dem Besitzer wahrscheinlich eine Eigentumswohnung bezahlt haben dürften. Ist jetzt vielleicht etwas überspitzt formuliert, aber das waren eben damals die Zeiten und niemand konnte sagen, wir würden den ganzen Tag nur am Computer verbringen. Wir waren eigentlich nur unterwegs, tauschten uns über Tipps und Cheats bei Spielen aus, kopierten Handbücher in Mengen, schrieben diese sogar zum Teil vollständig ab, etc. Das Spielen nahm zwar noch die meiste Freizeit ein, aber die Interaktion mit Freunden, das eben genannte Abschreiben oder Abmalen von Handbüchern und dergleichen nahm aber dennoch nicht wenig Zeit zusätzlich in unserem frühen Zockerleben ein. Ehrlich, das war schlicht eine tolle Zeit! Alles schien sorglos zu sein und Spaß stand ganz oben auf der Tagesordnung.

Und die tollen Spiele vermochten eben diese tolle Atmosphäre noch zu unterstreichen – Titel wie: Turrican, Turrican II, Turrican III, R-Type, X-Out, Z-Out, Giana Sisters, Wings of Fury, Indiana Jones IV, Monkey Island, Monkey Island II, Wing Commander, Wings, Myth, Street Fighter II, Mortal Kombat, Mortal Kombat II, Lionheart, Pinball Dreams, Pinball Fantasies, Die Siedler, Ports of Call, Lotus Esprit Turbo Challenge, Lotus Turbo Challenge II, Lotus Turbo Challenge III, Desert Strike, Another World, Flashback, Shadow Fighter, Street Fighter II, Body Blows Galactic, Moonstone, Katakis, Silk Worm, SWIV, Simon the Sorcerer, Fire & Ice, Emerald Mine, The Lost Vikings, Summer Games, California Games, Chaos Engine, Test Drive II, Cannon Fodder, Cannon Fodder II, Internation Karate+, Oldtimer, The Blues Brothers, Road Rash, Beneath a Steel Sky, Future Wars, Operation Stealth, Super Cars II, North & South, The Legend of Kyrandia, Vroom, Moonstone, Battle Chess, Stunt Car Racer, Rick Dangerous, Rick Dangerous II, Syndicate, Toki, Barbarian II, Robocop, Mad TV und, und, und … Diese Liste könnte ich wahrscheinlich noch lange fortführen. Das Line-Up des Amigas war einfach ein Traum und ich möchte gern in den kommenden Zeilen auf ein paar dieser Spiele etwas näher eingehen, zu denen ich doch etwas mehr sagen möchte, als sie hier bloß zu nennen.

Fortsetzung in der nächsten Kolumne …

Falko Tetzner _ 21.09.2014

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